Herstellung von ätherischen Ölen

Destillation von ätherischen Ölen
Die überwiegende Anzahl der ätherischen Öle wird mittels Destillation
gewonnen. Hölzer, Rinden und Wurzeln müssen vor der Destillation
zerkleinert werden, um die Zellen, welche die Duftstoffe einschließen,
aufzusprengen. Weiche Blätter und Blüten enthalten ihre Duftstoffe an
Härchen oder an leicht zugänglichen Duftdrüsen und benötigen kaum
Vorbereitung. Manche Pflanzen muss man sofort nach der Ernte noch auf
dem Feld destillieren (Melisse, Ylang Ylang), andere Pflanzen sollte man
vor der Destillation antrocknen (Patchouli, Muskatellersalbei, Pfefferminze,
Myrte, Lorbeer) oder sie werden grundsätzlich aus getrockneter Ware
destilliert (Gewürznelke, Iriswurzel, Pfefferkörner, Kümmel, Fenchel).
Da die Inhaltsstoffe von ätherischen Ölen ein sehr geringes
Molekulargewicht haben, können bei diesem Gewinnungsverfahren keine
Schwermetalle in das Produkt übergehen, da deren Moleküle für die
Destillation zu schwer sind. Manche Pflanzenschutzgifte können wiederum
enthalten sein, da diese fettlöslich sind und auch aus sehr kleinen
Molekülen bestehen. Wenn möglich sollten daher Pflanzen aus Eigenanbau
oder aus biologischem Anbau verwendet werden.


Wasserdampfdestillation
Bei der Wasserdampfdestillation wird das Pflanzenmaterial in einem
Aromakorb über dem siedenden Wasser, einer über dem Wasserkessel
angeordneten Kolonne mit Siebboden oder einem Pflanzenrohr mit
eingelegtem Aromakorb über dem separaten Wasser-/Dampfkessel
platziert. Der Wasserdampf erfüllt dabei 2 Funktionen:

  1. Als Lösungsmittel. Der aufsteigende Wasserdampf kondensiert zunächst
    an den Pflanzen und löst die Ätherischen Öle aus ihnen heraus
    (Wasser als Lösungsmittel).
  2. Als Schleppmittel. Der nachfolgende Wasserdampf reißt die winzigen
    Duftmoleküle mechanisch mit sich hoch (Huckepack-Verfahren).
    Der Wasserdampf muss anschließend so schnell wie möglich kondensiert,
    also abgekühlt werden. Dieses Kondenswasser, Hydrolat genannt, wird
    zusammen mit dem ätherischen Öl in einer Vorlage aufgefangen. Dort
    scheidet es sich durch seine geringere Dichte meistens an der Oberfläche
    ab. In einem Ölabscheider, der sich nach unten verjüngt und in einer Olive
    (Wasserhähnchen) endet, kann man zunächst das Hydrolat in ein Gefäß
    ablassen. Das Hydrolat enthält jetzt nur noch die wasserlöslichen
    Duftstoffe und kann direkt für die Herstellung von Salben und Cremes
    verwendet werden. Aufgrund der Verjüngung kann das Hydrolat sehr
    genau vom Öl getrennt werden. Im Ölabscheider verbleibt jetzt nur noch
    das Ätherische Öl, das man nun über den Hahn in ein besonderes
    Fläschchen aus Lichtschutzglas füllt.
    Es gibt allerdings auch ätherische Öle, die schwerer als Wasser sind, also
    zu Boden sinken (Zimt, Nelke). Auch dafür eignet sich der Ölabscheider,
    nur dass jetzt das Hydrolat im Ölabscheider bleibt und das Ätherische Öl
    unten abgelassen wird.
    Einige Öle müssen nun noch einige Tage belüftet werden, d.h. ohne
    Verschluss lagern, und anschließend noch einige Wochen in einem kühlen,
    gut belüfteten Keller ruhen, damit sie ihre charakteristischen
    Dufteigenschaften entfalten können.
    Das Hydrolat, das mit den wasserlöslichen Stoffen (größere Moleküle als
    im ätherischen Öl) der destillierten Pflanze angereichert ist, kann noch bis
    zu 2 Prozent des jeweiligen ätherischen Öles enthalten, je nach
    Wasserlöslichkeit der in ihm enthaltenen Moleküle. Das Hydrolat
    (Hydrosol) kann mehrmals den Prozess der Destillation durchlaufen, es
    wird dadurch in Duft, Haltbarkeit und Wirkung intensiver (z. B.
    Rosenhydrolat).
    Die Prozedur der Destillation kann einige Inhaltsstoffe von manchen
    Pflanzen zerstören oder auch umwandeln. So entsteht beispielsweise das
    blaue entzündungshemmende Chamazulen aus dem Kraut der deutschen
    Kamille, es ist in der lebenden Pflanze in der Vorstufe Matricin (Proazulen)
    zu finden. Auch Rosenoxid entsteht erst bei der Destillation von
    Rosenblüten, es ist in der lebendigen Rose nicht enthalten. Manche
    ätherische Öle wie beispielsweise Basilikumöl duften deswegen ganz
    anders als die entsprechende frische Pflanze.
    Die Ergiebigkeit der Destillation ist sehr unterschiedlich und hängt nicht
    nur von der Größe der Ölorgane der Pflanze ab, sondern auch von den
    Apparaturen und sogar vom Wetter. Die untenstehende Tabelle gibt eine
    Übersicht der benötigten Pflanzenmengen für die Gewinnung von 10 ml
    Ätherischen Öles, sowie eine Zuordnung der physischen und psychischen
    Wirkungen der verschiedenen Öle.
  3. Wasserdestillation
    Beim selteneren Verfahren der Wasserdestillation schwimmen die
    Pflanzenteile lose in kochendem Wasser, der restliche Ablauf läuft wie
    oben beschrieben ab. Diese Arbeit muss sehr sorgfältig ausgeführt
    werden, sonst kann die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe wegen der länger
    anhaltenden Hitze beeinträchtigt werden. Blütenblätter (Rose, Neroli,
    Ylang Ylang, Kamille) müssen frei im Wasser schwimmen können, bei der
    Wasserdampfdestillation würden sie wegen der gelösten Blütenwachse
    nach kürzester Zeit auf dem Sieb eine matschige Masse bilden, die vom
    Dampf nicht durchdrungen werden kann. Manche Zedernholzöle werden
    auch auf diese Weise gewonnen.

    Physische und psychische Wirkungen einzelner Kräuter
    benötigte Menge
    zur Gewinnung
    von 10 ml Öl Wirkung

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